Preisgeld-Wahnsinn

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Mal unter uns, ich bin ja auch ein Sportfan und schaue mir gerne Live-Übertragungen im Fernsehen an. In den letzten Jahren bin ich aber immer mehr entsetzt über die Entwicklung der Sportlergehälter, nicht nur im deutschen Fußball, sondern auch im Vorreiterland USA. Was dort dafür gezahlt wird, einen Ball in einen Metallring zu werfen, einen Ball mit einem Knüppel wegzudreschen oder ein Lederei zu fangen, spottet jeglichem gesunden oder ungesunden Menschenverstand.

Aber selbst diese Gehälter muten wie Peanuts an, wenn man sich einmal die Dimensionen des an diesem Wochenende anstehenden Boxkampfes vergegenwärtigt. Für den Kampf Mayweather – Pacquiao liegt die Gesamtbörse bei bis zu 400 Millionen Dollar (abhängig vom Pay-Per-View). In Worten: Vierhundert Millionen. Dafür, dass sich zwei Männer eins auf die Lippe geben. Wovon sich einer noch „Money“ nennt und von sich selbst sagt, er habe mehr Geld, als er jemals ausgeben könne.

Money MayweatherNoch Fragen?

400 Millionen Dollar, damit sich zwei Männer zwöf Runden lang gegenseitig versuchen bewusstlos zu schlagen. Während woanders Menschen ertrinken, ihr Zuhause bei einem Erdbeben verlieren oder mitansehen müssen, wie ihr Kind verhungert, entführt oder getötet wird. Für 400 Dollar könnten wahrscheinlich 1 Million Menschen in Afrika ein ganzes Jahr ihre Familie ernähren, Krankheiten könnten bekämpft werden, Wasserleitungen, Stromleitungen und sonstige nützliche Infrastruktur für 40 Millionen Dollar könnten zehn Länder der dritten Welt wirtschaftlich einen großen Schritt voranbringen.

Was ist mit uns Menschen los? Wann haben wir in der Evolution die falsche Abfahrt genommen? Möchte wirklich noch irgendjemand behaupten, wir wären die „Krone der Schöpfung“? Mal ehrlich, es lässt sich doch nicht anders als menschenverachtend, asozial und absolut pervers beschreiben, das zwei Kirmesboxern so viel Geld in den Hintern gesteckt wird, während woanders Reiskörner aufgeklaubt werden müssen, um den Tag zu überleben. Haben die denn gar kein Schamgefühl?

Wenn wir so weitermachen und den Armen durch solche Geldverschwendung direkt ins Gesicht spucken, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn bald alles vor die Hunde geht. Warum muss ich mir heutzutage eigentlich fast stündlich die Frage stellen:

In was für einer Welt leben wir eigentlich?

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anonymus – „Deep web“ – Blumenbar, 2014

Wenn ich als Autor unerkannt bleiben will und mir einen anderen Namen für meine Veröffentlichung zulege, kann es ja zumeist nur drei Gründe haben:

1. Ich bin Joanne K. Rowling und habe einen fürchterlichen Krimi geschrieben.

2. Ich habe fürchterliche Angst vor den Personen, deren bislang unbekannte, gesetzeswidrige Aktionen ich in meinem Buch ans Licht bringe.

3. Es verkauft sich einfach fürchterlich viel besser, wenn es geheimnisvoll erscheint.

Nun, da ich innerhalb von 15 Sekunden einfachster Googlesuche schon den Autor Alexander Krützfeldt „enttarnt“ habe, fallen Grund 1 und 2 ja eigentlich schon weg… da mag sich bitte jeder seine eigene Meinung zu bilden. Ich finde sowas ja etwas zu billig.

Wie schaut’s aus?

Das Neongrün stört mich tatsächlich geringfügig. Mit einem anderen Anstrich hätte es sicherlich noch etwas seriöser gewirkt, aber insgesamt unaufgeregt und im Großen und Ganzen okay.

anonymus deep web

Was steckt drin?

Anonymus Krützfeldt wagt sich für eine Auftragsarbeit des Verlages in das Tor-Netzwerk und führt Gespräche mit Gegnern und Verfechtern desselbigen, um die dunkle Seite des Internets zu erforschen. Hier gibt es alles, was das illegale Herz begehrt: Drogen, Waffen, Auftragskiller, Kinderpornos… doch als anonyme Plattform für Dissidenten und politisch Verfolgte stellt Tor auch eine positive und schützenswerte Option dar. Doch wiegen die positiven Effekte auch die Möglichkeiten des illegalen Missbrauchs auf?

Was bleibt hängen?

 Im Geist macht sich mein kleiner Hemingway vor Frust eine billige Flasche Whiskey auf. „Scheiß auf die“, flucht er, „Scheiß auf alle, du brauchst sie nicht.“ Doch, ich brauche sie, denke ich.

Im Geist macht sich mein kleiner Reich-Ranicki dabei eine Flasche Batteriesäure auf… Zumindest leidet Krützfeldt nicht an geringem Selbstbewusstsein, wenn er schon meint, es würde ein kleiner Hemingway in ihm stecken. Der hatte aber wohl zu der Zeit als das Buch geschrieben wurde gerade Urlaub, schätze ich.

Kann das weg?

Ja. Als Einstieg in die Welt des Deep Web ist das Buch ein bisschen informativ, vorausgesetzt, man verfügt grundsätzlich über keinerlei Vorkenntnisse der Materie. Die Gespräche mit den unterschiedlichen Protagonisten der dunklen Seite des Internets sind schon interessant, aber zumeist etwas oberflächlich, weil weder Vollzugsbehörden/Nachrichtendienste noch die Verfechter des freien Internets/Hacker der Gegenseite zu viel verraten wollen. Die Frage ist nur, ob die Paranoia durch das Deep Web neu entstanden ist oder die bestehende Paranoia die Nutzer ins Deep Web geführt hat…

Leider verflacht das Buch sehr schnell. Was am Anfang spannend erscheint, zieht sich wie ein abgekauter Kaugummi und lässt uns dann etwas verwirrt und enttäuscht zurück. Abgesehen von ein paar Screenshots von äußerst billig gestalteten Webseiten hat Krützfeldt über das Deep Web nichts zu bieten, weil seine unglaublich subtilen Versuche, Informationen von den Usern zu erhalten, nicht einmal einem 5jährigen seinen ungeliebten Teller Spinat entlocken würden.

Zudem möchte ich behaupten, dass das Buch ohne die seitenlangen Ausführungen des Autors, wie schwer es ihm gefallen ist dieses Buch zu schreiben und wie miserabel doch seine Kaffeemaschine ist, wahrscheinlich 50 Seiten kürzer wäre. Sinnloses Füllmaterial, braucht kein Mensch. Mag daran liegen, dass der Autor dieses Buch eigentlich gar nicht schreiben wollte…

Cui bono?

Alle, die sich noch gar nicht mit dem Deep Web und dem Tor-Netzwerk beschäftigt haben, sich aber einen ersten – sehr oberflächlichen – Überblick über die Möglichkeiten des anonymen (und zumeist illegalen) Treibens in den Hinterzimmern des Internets verschaffen möchten.

Nachtrag: Leserbriefe – Claus Probst

Eigentlich wollte ich es ja darauf bewenden lassen, aber jetzt habe ich doch noch einmal die letzte Nachricht von Herrn Probst aus meinem Papierkorb gefischt. Nur, um mal aufzuzeigen, wie unterschiedlich doch persönliche Wahrnehmungen und Realitäten sein können.

Gibgut8 meint:


Ich passe!
Wenn jemand SO offensichtlich stolz darauf ist, auszuteilen und sich stolz in die eigenen Verbalattacken hineinzusteigern, dann hat ein Dialog wohl kaum einen Sinn.
Bleib wie du bist und fühl dich gut dabei! Und ich tu das sicherlich auch.
Im Übrigen reicht mir DEIN aufgeregtes Gekeife als Klarstellung völlig aus. (Wobei ich allerdings befürchte, dass du – entrüstet, dass es jemand wagt, einen Kritiker zu kritisieren – gleich noch weitere abstruse Theorien unters Volk streuen wirst). 🙂

End of conversation!

Und natürlich möchte ich mich abschließend noch öffentlich bei Herrn Probst entschuldigen, war mein aufgeregtes Gekeife doch im Gegensatz zu seiner quasi Gandhi-esken, friedlichen und sachlichen Argumentation wirklich kindisch und unkontrolliert.

Dazu meine mannigfaltigen abstrusen Theorien, weil er es gewagt hat einen Kritiker zu kritisieren… ich bin ein schlechter Mensch, der mit Kritik leider so gar nicht umgehen kann. Wir sollten uns da alle ein Scheibchen bei Herrn Probst – dem bedeutendsten Autor seit Gott – abschneiden, denn sein ist das Reich und die Herrlichkeit.

Früher einmal waren Schriftsteller die intellektuelle Elite eines Landes. Heutzutage…

 

Nachtrag zum Nachtrag: Auf meine schriftliche Beschwerde hin hat Amazon meine Rezension wieder online gestellt. Wär ja auch noch schöner…

Leserbriefe – Claus Probst, Teil 2

Nun, er lässt sich nicht lumpen, der Ton wird rauer, die Grammatik und Argumentation aber leider nicht besser…

Gibgut8 meint:

Ach, komm schon, Mann! Wenn du schon jemanden gezielt beleidigst, dann steh wenigstens dazu!
Und tu nicht im Nachhinein so, als hättest du es gar nicht so gemeint, nur um ein paar Zeilen später schon wieder den Schlaumeier rauszuhängen und mir spitzfindige „Ratschläge“ zu erteilen.
Wenn du jemandem unterstellst, er hätte beim Schreiben vor lauter Geilheit die Tastatur vollgesabbert, dann zählt das GANZ SICHER nicht zum eher feinsinnigen Genre der Satire! Solltest du das allen Ernstes glauben, dann verpass so einen Spruch bei Gelegenheit einem Typen, der dir Auge in Auge gegenüber sitzt! Aber halte dir dabei besser prophylaktisch eine Hand vor die Nase!
Jetzt auch noch von freier Meinungsäußerung rumzujammern, nur weil ich mich nicht von jedem selbsternannten Verbalhenker persönlich beleidigen lassen will, ist ja wohl echt das Allerletzte! Ich weiß, im Internet lässt so mancher alle Schranken fallen, aber würdest du so etwas als Journalist deinem Chefredakteur vorlegen, der würde dir mit Sicherheit was erzählen! Und bestimmt nicht über freie Meinungsäußerung.
Wenn du also wirklich niemanden beleidigen willst, dann: LASS ES DOCH EINFACH!

Also das kann ja noch ein interessanter Schriftwechsel werden, wenn man mir schon nach der zweiten Nachricht subtil Schläge androht… das kenn ich eigentlich sonst nur von schönen, starken Frauen.

Versuchen wir also auf unsere ganz eigene salomonische Art zu schlichten…

Mein lieber Herr Probst,

haben Sie als bedeutendster Autor der deutschen Nachkriegsgeschichte (und damit meine ich selbstverständlich die Varusschlacht) an Ihrem Wochenende eigentlich nichts anderes zu tun, als dem unbedeutendsten Blogger seit Erfindung der Höhlenmalerei Hassmails zu schreiben? Nicht, dass Sie sich eine ähnliche Briefwechsel-Romanze wie zwischen Johan Wolfgang von Goethe und Charlotte von Stein erhoffen, denn dann müsste ich Ihr Werben eindringlich abweisen. Wenn nächste Woche übrigens „Die Bunte“ schreibt: „So traurig ist das Leben des zukünftigen (mehrmaligen) Literatur-Nobelpeisträgers“… von mir haben die das nicht, das schwöre ich Ihnen.

Und noch einmal: Es handelt sich bei meiner Rezension lediglich um eine persönliche Meinung zu Ihrem bedeutenden Werk „Nummer Zwei“. Da ich Sie nicht persönlich kenne, kann ich mir auch über Sie kein Urteil erlauben und hatte dies auch niemals vor. Im Übrigen tue ich nicht so, als hätte ich es nicht so gemeint, ich habe lediglich mit einem feinen Hauch Ironie angedeutet, dass Sie eine negative Kritik an Ihrem Buch gleich als negative Kritik an Ihrer Person aufnehmen. Zugegebenermaßen scheinen Sie mir ein sehr dünnes Fell zu haben, weshalb es vielleicht nicht die beste Wahl ist, Bücher zu veröffentlichen. Könnte auch mal zu negativer Kritik führen… hab ich jedenfalls gehört.

Nun, ich weiß ja nicht, was für Andere Satire ist, aber Fips Asmussen ist es definitiv nicht, da muss ich Sie enttäuschen. Und würde ich meine Rezension dem Redakteur eines Satire-Magazins vorlegen, würde er sie wohl als noch etwas zu weich deklarieren und mich zu mehr Ironie auffordern.

Ich weiß allerdings, was eine versteckte Drohung ist und möchte Sie da doch um ein bisschen Contenance bitten. Ich weiß, im Internet lässt so mancher alle Schranken fallen (Schranken? Das müssen Sie mir noch mal erklären…), aber mich beeindrucken Sie mit Ihrem adrenalingetriebenen Brustgetrommel relativ gar nicht. Das ist wohl eher peinlich für Sie, man sollte doch meinen, ein so wortgewandter Autor wie Sie könnte sich besser ausdrücken. (Grüße an Ihre Lektoren!) Zudem werde ich mir weder im Internet noch sonst irgendwo meine Meinung von irgendjemandem mit dem Demokratieverständnis eines Kim Jong-Un verbieten lassen. Da können Sie mir auch gegenübersitzen und mit Ihren Fäusten Ihre Prüfung für das Fernstudium zum Schönheitschirurgen in meinem Gesicht ablegen. Solang ich leb, red ich. (Nehmen Sie das jetzt bitte nicht als Anlass, mir gedungene Mafia-Killer auf den Hals zu hetzen. Vor allem nicht meine eigenen, versteht sich.)

Vielleicht können wir jetzt ja mal auf meine sachliche Kritik zurückkommen und Sie mögen mir erklären, welches Trauma denn wohl den Vater des Mordopfers dazu bringt, auf Fräulein Bölls Brüste zu starren? Oder den Polizeipsychologen – der extra für solche Gespräche ausgebildet ist – dazu bringt, fast zu weinen, als Fräulein Böll stahlhart – wie sie nunmal ist, neben einem Kunstwerk der Natur und der intelligentesten Frau jenseits und diesseits des Äquators, um nichts auszulassen – die Fakten schildert? Na? Warum stiehlt ein Mann, der seine kleine Tochter bei einer Naturkatastrophe verloren hat, eine nackte Leiche einer 17jährigen aus dem Wald und bettet sie in seine Kühltruhe? Naaa?

Ich gebe es zu: Ich halte Ihr Buch für so bedeutend, dass man es 2.000 Jahre wegschließen sollte, damit es später als Vermächtnis an unsere Nachfahren weitergegeben werden kann. Die Welt ist einfach noch nicht bereit dafür.

Mein lieber Herr Probst, wenn Sie nicht mit Kritik umgehen können: Dann lassen Sie es doch einfach.

Es grüßt gelangweilt

The kleine, unbedeutende Bookfather

 

Nachtrag: Herr Probst hat jetzt meine gesamte Rezension samt seiner abstrusen Kommentare bei Amazon löschen lassen. So kann man natürlich auch mit negativer Kritik umgehen…

Leserbriefe – Claus Probst

Ganz ehrlich, ich finde es ja durchaus konstruktiv, wenn mir Autoren ihre Meinung zu meiner Kritik schreiben, auch wenn es eine negative Kritik war. Aber so manch einer kann Kritik wohl nicht wirklich gut vertragen, erst recht nicht, wenn sie etwas kreativer formuliert ist.

Ich möchte gerne mit euch die Antwort des Autors (anscheinend) auf meine Amazon 1-Sterne Rezension von „Nummer Zwei“ teilen, die er nur wenige Stunde nachdem ich sie eingestellt hatte, als Kommentar dazu verfasst hat.

Gibgut8 meint:

Für Hobby-Pychologen:
Gegen (sachliche) kritische Rezensionen habe ich als Autor nichts einzuwenden, aber wenn es dann SO persönlich und gehässig wird, und ich durch die Beschreibung einer attraktiven Frau (… die ich übrigens persönlich kenne!) zum spätpubertären, sabbernden Lüstling werde, wird es mir dann doch zu viel. Nur weil man sich als unbedeutender Blogger „The Bookfather“ nennt, hat man weder die Weisheit mit Löffeln gefressen noch das Recht, blindwütig um sich zu schlagen. Denn psychologisch deuten kann man viel! Aber deswegen liegt man damit noch lange nicht richtig.
Kleine Kostprobe gefällig? Ein kleiner Blogger, der sich durch die Anlehnung an „The Godfather“ öffentlich aufzuwerten versucht und andere geifernd herunterputzt … was muss der wohl kompensieren? Schwierigkeiten mit starken und schönen Frauen vielleicht? Beziehungsfrust? Oder eigene Unzulänglichkeiten? Und wenn er etwas in meine private Situation hineinfantasiert , was da (erfreulicherweise) nicht ist, woher – wenn nicht aus seinem eigenen Gehirn – kommt das wohl her? Denn jeden Gedanken, den man einem anderen unterstellt, denkt man grundsätzlich erst einmal selbst. Geiles Sabbern natürlich eingeschlossen. (Und das ist nur dezent an der Oberfläche gekratzt. Da gibt es mit Sicherheit noch mehr!)
Kann stimmen. Muss aber nicht. Als Rezensent jedenfalls ist der selbsternannte Godfather of Books zwar aggressiv und beleidigend, aber IN DER SACHE absolut nicht ernst zu nehmen. Fazit: Kann weg.

Nun… ich für meine Teil muss bei Kritik, gerade wenn sie etwas harscher ausfällt, ja erst einmal schmunzeln. Denn dafür ist doch Kritik da! Nicht jeder ist derselben Meinung und was wäre unsere Erde für ein langweiliger Ort, wenn es so wäre? Na gut, wenn es meine Meinung wäre, dann natürlich nicht, davon mal ab.

Ich tue dies hier ja nicht, um mich bei Autoren oder Verlagen einzuschleimen, und Herr Probst ist ja auch nicht der Erste, der eine schlechte Kritik zu schmecken bekommt. Allerdings der Erste, der darauf so persönlich ungehalten reagiert hat. Was mich – schon alleine des guten Willens wegen – natürlich zu einer Gegendarstellung veranlasst hat…

 

Für Diplom-Psychologen:

Zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen. Natürlich war es nicht meine Absicht, Sie persönlich anzugreifen oder zu beleidigen und ich finde es schade, dass Sie es so aufgefasst haben. Allerdings war ich mir sicher, dass durch die Stilmittel der Satire – Übertreibung und Ironie – deutlich wird, dass ich lediglich aufzeigen wollte, wie sehr Sie Ihre Hauptfigur überzeichnet haben. Das erkennt man an den Worten „spätspätpubertär“ (das ist mitnichten ein Fehler), „mit wahnwitziger Geschwindigkeit dahinjagende“ und „spritzwassergeschützte Tastatur“. Meiner Meinung nach sollte ein Autor Kritiken, ob nun negativ oder positiv, jedoch grundsätzlich als Anregung verstehen und nicht schmollend beleidigte Kommentare verfassen.

Gerade wenn man ein weltweit bekannter und unheimlich bedeutender Autor ist und Ihr Buch (immer noch Ihr Buch, nicht Sie persönlich…) lediglich von einem kleinen, unbedeutenden Blogger names „The Bookfather“ kritisiert wird. Was denkt der sich überhaupt? Recht auf freie Meinungsäußerung? Grundsätzlich gerne, aber doch nicht bei Ihrem Buch!

(Zwischenfrage: Ihnen ist aber doch bewusst, dass Ihr Buch nur Fiktion ist und Sie Ihre Hauptfigur nicht persönlich kennen? Ich mein ja nur… Wenn es allerdings eine Person gibt, die Sie zu Ihrer Hauptfigur inspiriert hat: Tun Sie uns allen einen Gefallen und gestehen Sie ihr endlich Ihre Liebe.)

Übrigens ist Ihre ad hoc Deutung meines Charakters ein Feuerwerk der angewandten Psychologie. Selbstverständlich versuche ich mich durch meinen Bloggernamen aufzuwerten, was bleibt mir auch anderes übrig? Allerdings ist die Godfather-Wahl nicht ganz so simpel, wie Sie vielleicht annehmen. Da im Amerikanischen „Godfather“ in ungefähr gleichzusetzen ist mit unserem „Patenonkel“, sehe ich mich mehr als Patenonkel für gute Bücher. Die müssen gehegt und beschützt werden, während missratene Bücher halt mal ein paar hinter die Ohren bekommen. N’es-ce pas? (Glauben Sie es oder nicht: Blogger suchen sich zumeist einen Namen aus, der einfach zum Thema passt, so wie eine Kollegin namens „Buchmacherin“ auch nicht mein Verbrechersyndikat mit Einnahmen aus illegalem Glücksspiel versorgt.)

Ein Problem mit starken und schönen Frauen habe ich seitdem ich denken kann. Nun, unsere Deutungen von „schön“ und „stark“ dürften wahrscheinlich sehr weit auseinander gehen, da ich das uns von der Werbung und der Filmindustrie vermittelte Bild einer schönen und starken Frau rigoros als falsch betrachte. Schon mal überlegt, dass Sie durch Ihre Überzeichnung ein völlig absurdes Frauenbild kreieren? Warum darf Lena Böll denn nicht moppelig sein, mit Brille, aber doch einem hübschen Gesicht, nicht der Knaller, aber ganz süß, etwas schüchtern, im Judo-Kurs nicht ganz aufgepasst, dafür aber mit starkem Charakter und der Fähigkeit im Team zu arbeiten und im Team einen Fall zu lösen anstatt die Königin der Profiler zu sein, die ein Team nur als applaudierenden Hofstaat braucht? Nach meiner Kenntnis der Realität ist das nicht ganz abwegig… Und wenn Sie moppelig ist, können ihr die Väter der Opfer doch trotzdem bei der traurigen Nachricht vom Tode ihrer Töchter auf die Brüste starren, das ist doch mal ein Kompromiss.

Da wären wir dann auch beim Punkt „sachliche Kritik“. Sie sind auf keinen meiner Punkte eingegangen, haben nur unsachlich versucht mein unbedeutendes Dasein in Frage zu stellen. Ich meine, quid pro quo, wenn ich mich stundenlang mit Ihrem Buch auseinandersetzen muss, dann sollten Sie dies auch mit meiner Kritik tun müssen. Nun? Kein bisschen der Gedanke, dass die Hauptfigur ins Unkenntliche überzeichnet ist? Selbstreflektion ist der erste Weg zur Besserung…

Abschließend eine Verständnisfrage. Ich möchte Ihnen ja nicht Ihre Fachkenntnisse als Psychiater absprechen, aber meinen Sie wirklich, dass ich jeden Gedanken, den ich jemand anderem unterstelle, erst einmal selber denke? Das hieße ja, wenn ich mir eine NPD-Demo angucke und denke, dass das nur rechte Vollidioten sind, dann bin ich selber einer? Verquere Logik, Herr Probst und psychologisch doch äußerst fragwürdig. Klingt eher nach: „Neee, bin ich gar nicht! Du bist das ja selber, hundert Mal mehr!“ auf dem Kinderspielplatz.

Ich hoffe, dass Sie lernen, besser mit negativer Kritik umzugehen, gerade, weil Sie ja wahrscheinlich noch mehr Bücher schreiben werden. Denn Sie haben ja einen gewissen Erfolg mit „Nummer Zwei“, das ist ja nicht von der Hand zu weisen. Sollte mir noch eins Ihrer Bücher in die Hände fallen (und das wird es, geben Sie sich keiner falschen Hoffnung hin), werde ich selbstverständlich neutral und ohne Ressentiments meine Kritik dazu vortragen. Allerdings auch ohne Gnade, wenn es denn sein muss…

Und jetzt entschuldigen Sie, ich muss mein unbedeutendes Bloggerleben weiterführen, voller Beziehungsprobleme und Angst vor schönen Frauen.

Es grüßt zwinkernd

The Bookfather

Simon Urban – „Gondwana“ – Schöffling & Co., 2014

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Gondwana ist einer der Urkontinente unserer Erde, der vor circa 100 Millionen Jahren in die Teile der südlichen Erdhalbkugel auseinanderbrach. Dort gab es nichts, womit wir uns heute herumschlagen müssen, ein Ort frei von menschlichen Sorgen, von menschlichem Neid. Frei von menschlichem Hass gegenüber Andersdenkenden, Andersfarbigen, Andersliebenden und allgemein Anderslebenden.

Mit der Evolution des Menschen änderte sich dies schlagartig. Menschen streben immer nach Höherem, sind selten zufrieden, neiden dem Anderen, was er erreicht hat, halten das, woran sie glauben, für das einzig Richtige und das, woran die Anderen glauben, für den größten Schwachsinn. Somit ist das unberührte Gondwana wohl ein naheliegender Handlungsort für einen Kampf zwischen Religionen und Atheismus, auch wenn dieser mit reichlich Southern Comfort geführt wird…

Wie schaut’s aus?

Ein Atompilz der Popkultur über einer kleinen Südseeinsel… dezent geht anders, aber ich mag’s!

Simon Urban - Gondwana

Was steckt drin?

Auf der Insel Gondwana ist das Undenkbare geschehen: Ein Mord. Hier auf diesem Eiland, wo sich die vier großen monotheistischen Weltreligionen in ihrer Koexistenz akzeptieren und zum ersten Mal seit ihrer Gründung Kompromisse geschlossen werden, um alle Gläubigen zu vereinen, kann diese Tat alles zerstören und die Religionen wieder in einen Kampf gegeneinander treiben.

Inspector Platon Ahorn wird vom Festland eingeflogen, um verdeckt zu ermitteln und den Mörder noch rechtzeitig vor den Festlichkeiten zum Day of Faith zur Strecke zu bringen, ohne dass die Einwohner Gondwanas auch nur ansatzweise etwas davon mitbekommen. Leider teilt Ahorn nicht gänzlich den Glauben der Inselbewohner. Nun… eigentlich überhaupt nicht. Als fundamentaler Atheist fällt es ihm relativ schwer, den Frieden zu bewahren… oder auch nur sein loses Mundwerk zu halten. Während Ahorn auf seiner Mörderjagd im Einfluss der Insel immer wahnwitziger und paranoider wird, kommt der Day of Faith mit großen Schritten näher…

Ist der Plot durchschaubar?

Gott sei dank nicht! Die Auflösung hat mir sehr gefallen, denn diese war für mich nicht wirklich vorherzusehen und trotzdem schlüssig. Schlüssig in einer sehr ausgefallenen Dimension, aber nicht hanebüchen oder konstruiert wirkend.

Was bleibt hängen?

„Du lässt es dir gut gehen und definierst Mitläufertum als subversiven Widerstand?“

„In etwa. Das ist es doch, was Politik heute bedeutet, oder? Den eigenen Wanst streicheln und sich dabei wahnsinnig kritisch vorkommen.“

Ich hätte hier mehr als ein Dutzend Textstellen präsentieren können, wahrscheinlich auch einige bessere, aber ich fand diesen Dialog so schön treffend…

Kann das weg?

Um Gottes WIllen, nein! Simon Urban ist ein wundervolles Stück Pop-Literatur gelungen, eine Religionssatire gepflastert mit bissigem schwarzen Humor und doch stellenweise tiefgreifend-philosophisch. Stellenweise auch tiefgreifend-psychotisch, aber das muss ja nicht grundsätzlich etwas Schlechtes sein. Religion ist nunmal ein streitbares Thema und Platon Ahorn ist ein streitbarer Mann, der absolut nicht frei von menschlichen Fehlern ist.

Das Zusammenspiel mit den Comic-Zeichnungen von Ralph Niese, die an manchen Stellen den Text ersetzen, funktioniert, durch die Visualisierung wirkt das Buch auch ein wenig plastischer. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, das soll schon was heißen. Okay, ich saß 11 Stunden lang in einem Flugzeug, aber… trotzdem. Das Bord-Entertainingsystem konnte mir gestohlen bleiben, zu gut habe ich mich von Simon Urban unterhalten gefühlt!

Cui bono?

Natürlich sämtliche Atheisten, aber auch humorvolle, sehr tolerante Gläubige, Fans von Chuck Palahniuk oder Matt Ruff und alle, die einfach mal etwas ganz anderes lesen wollen.

Lebenszeichen

Jaaaa, ich lebe noch. Jedenfalls wenn man es denn so nennen will… es gibt da die ein oder andere Umwälzung in meinem Tun, Denken und Sein, die mich gerade ein bisschen davon abhalten, hier aktiv zu werden.

Das ändert sich aber sicherlich bald wieder! Also… „bald“. Das ist ja doch relativ relativ.

Natürlich lese ich weiterhin ohne Unterlass, momentan widme ich mich Alain de Bottons „Trost der Philosophie“. Klingt trocken und langweilig, ist aber genau das Gegenteil. De Botton versucht auf kurzweilige und zum Teil äußerst komische Art und Weise aufzuzeigen, wie uns die Philosophie Trost bei Unbeliebtheit, Geldmangel, Frustration, Unvollkommenheit, gebrochenem Herzen und Schwierigkeiten spenden kann. Was wir daraus machen, ist uns natürlich selbst überlassen. Ich kann es jedenfalls sehr empfehlen!

de Botton - Trost der Philosophie

Und wie bin ich darauf gekommen? Jack Taylor war’s! Ich bin ja ein großer Fan von Ken Bruens Reihe über den irischen Privatdetektiv, der säuft, raucht und kokst (und erstaunlich viel liest), während er eigentlich ermitteln sollte und am Ende doch meist Fälle löst, wenn auch nicht immer durch sein eigenes Zutun. Krimi Noir in Perfektion!

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Jack Taylor hat mich auch zu David Peace gebracht, seine vierteilige Yorkshire-Ripper-Saga (1974, 1977, 1980, 1983) ist mit das düsterste und packendste, was ich bislang gelesen habe. Peace saugt dich auf, legt dich in Ketten, hetzt dich durch alle vier Bände, die eigentlich ein einziger gigantischer 2.000 Seiten-Band sind, geht dir an die Gurgel, macht dich halb wahnsinnig, lässt dich verzweifeln und trauern, macht dich wütend ob all der Ungerechtigkeit und spuckt dich als nervliches Wrack wieder aus. Ich wünschte mir, er würde in dem Tempo neue Bücher schreiben, in dem ich sie verschlinge…

Peace - 1974

 

Dazwischen waren noch bei mir zu Gast:

Truman Capote – „Kaltblütig“

Nelson Algren – „Calhoun“

Matt Ruff – „Bad Monkeys“

Chuck Palahniuk – „Flug 2039“ + „Verflucht“

Charles Bukowski – „Hollywood“

David Foster Wallace – „Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich“

Nigel Williams – „2 1/2 Männer im Boot“

Olen Steinhauer – „Die Kairo-Affäre“

Justin Cronin – „Die Zwölf“

David Peace – „Tokio im Jahr null“ + „Tokio besetzte Stadt“

John Straley – „Seelenverkäufer“

Christopher Brookmyre – „Wer schlafende Hunde weckt“

James Sallis – „Dunkle Schuld“

Magnus Montelius – „Ein Freund aus alten Tagen“

Christopher Cook – „Robbers“

Deon Meyer – „Cobra“

Wirklich ALLE Jack Taylor Krimis von Ken Bruen

Das arbeite ich dann irgendwann demnächst mal alles auf.. zusammen mit dem Stapel, den ich ohnehin schon aufarbeiten muss… ich freu mich drauf.

Claus Probst – „Nummer Zwei“ – S.Fischer Verlag, 2014

Claus Probst ist Psychiater, was sicherlich einer der Berufe ist, in dem man am meisten Stoff für abgedrehte Geschichten zu hören bekommt. Wie etwa auch Polizisten und Anwälten begegnen ihnen tagtäglich Offenbarungen von menschlichen Makeln, die die Fantasie des Einzelnen wahrscheinlich weit übertreffen.

Aber befähigen diese Berufe auch gleich zu einer Schriftstellerkarriere? Nur weil ich eine gute Geschichte kenne, bedeutet es ja nicht gleichzeitig, dass ich sie auch publikumswirksam erzählen kann. Anders als Journalisten, deren Metier es ist, die gehörten Geschichten zu Papier zu bringen, bewegen sich Psychiater da doch sehr weit abseits ihres eigentlichen Betätigungsfeldes.

Nun, finden wir es doch einfach heraus!

Wie schaut’s aus?

Ich mag ja diesen Reliefdruck sehr gerne, der hier bei den Klebestreifen angewendet wird. Wieder ein Plus entgegen einer digitalen Ausgabe, wo das haptische Erlebnis jedes Mal das gleiche ist.

Probst - Nummer Zwei

Nichtsdestotrotz leuchtet mir das Gesicht darauf nicht ein. Wer benutzt denn so viel Schminke, dass da gleich alles hängen bleibt?

Was steckt drin?

In Mannheim und Umgebung treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der seine weiblichen Opfer entführt, tagelang quält und ihre Leichen nackt und in eindeutiger Pose an öffentlich zugänglichen Orten drapiert, um sein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit durch die Medien zu befriedigen.

Als die Mannheimer SoKo nicht weiterkommt, wird LKA-Hauptkommissarin Lena Böll extra von einem Lehrgang aus Los Angeles abkommandiert, um den auf der Stelle tretenden Kollegen bei der Jagd nach dem brutalen Mörder zu helfen. Doch als die Leiche des vierten Opfers verschwindet und somit die erhofften Medienberichte ausbleiben, nimmt der wütende Täter direkten Kontakt zu Lena Böll auf. Anstatt nur einen Serienmörder zu jagen, muss sie sich jetzt auch noch auf die Suche nach einem Leichendieb – und eventuellen Leichenschänder – machen, während die Lage langsam eskaliert…

Ist der Plot durchschaubar?

Grundsätzlich liegt hier kein klassischer „Rate mal, wer der Mörder ist“-Plot vor. Wir beobachten eher eine Eskalation der Dinge, die zudem nicht unbedingt nachvollziehbar ist. Durchschaubar ist hier nur wenig, aber gut ist das dadurch leider auch nicht..

Was bleibt hängen?

Einmal mehr fiel ihm auf, wie angreifbar sie wirkte. Ohne Zweifel eine der schönsten Frauen, die er jemals kennengelernt hatte, ein erstaunliches Kunstwerk der Natur, aber dem äußeren Anschein nach viel zu klein und zerbrechlich für diesen Job.

Er wusste nur zu gut, wie sehr dieser Eindruck täuschte. In ihrem Inneren war sie stark und schlau und gefährlich für jeden, der sich mit ihr anzulegen versuchte.

Eine unglaublich gute (wunderschöne) Profilerin ist Lena Böll natürlich nur, weil sie auch ein gefährliches Wesen in sich verbirgt. Ich spüre schon, wie ein Schaudern mich überkommt… ach nein, war nur ein Gähnen.

Kann das weg?

Das Schleudertrauma vom Kopfschütteln sagt eindeutig: ja. Ich weiß nicht, ob das spätspätpubertäre Einflüsse oder schon die mit wahnwitziger Geschwindigkeit dahinjagende Midlife Crisis bei Herrn Probst waren, aber ich hoffe, dass seine Tastatur wenigstens spritzwassergeschützt ist, so viel wie er beim Gedanken an seine Hauptkommissarin gesabbert haben muss. Ein endloses Geseiere, wie attraktiv, intelligent und stark Lena Böll doch ist, gipfelt in der Szene, als der Vater des vierten Opfers ihr auf die Brüste starrt und nur daran denken kann, wie schön sie doch ist, während sie ihm erzählt, dass sein Kind ermordet und ihre Leiche von einem anderen Freak gestohlen wurde. Also… ernsthaft? (Und das ist nur dezent an der Oberfläche gekratzt, wo das herkommt, gibt’s noch einiges mehr.)

Allein die Hauptperson so völlig zu überzeichnen, ruiniert das ganze Buch. Aber dabei wollte es Herr Probst nicht belassen: Unsinnige Verhaltensweisen der Nebenfiguren, deren einzige Aufgabe es zu sein scheint, Fräulein Böll gut dasteht zu lassen, Dialoge, die einen Ausdruck panischer Desorientierung im Gesicht des Lesers hinterlassen, völlig hanebüchene Pseudo-Polizeiarbeit… zumindest ergibt das ganze ein rundes Bild. Nur empfehlenswert ist es eben nicht.

Cui bono?

Wer die überzeichneten Figuren von Cody McFadyen mag und nicht viel Wert auf gesunden Menschenverstand legt, dem könnte „Nummer Zwei“ vielleicht sogar gefallen.

The Liebster Award

Ich hasse Kettenbriefe. Oder Tags, wie das so schön in der Bloggerwelt heißt. Sie sind so etwas wie ein Schneeballsystem, um sämtliche unbeantworteten Fragen der NSA aufzufüllen, oder eine Einladung zum Kindergeburtstag. „Ich habe dich aber zu meinem Geburtstag eingeladen, jetzt musst du mich auch einladen!“ (So ist im Übrigen die Blutfehde zwischen den Montagues und den Capulets entstanden. Wirklich wahr, alles fing beim Topfschlagen an.) In diesem Fall allerdings kein Kindergeburtstag, keine Blutfehde. Weil man nicht rebloggen darf. Steht so im uralten Regelbuch des Orakels von Delphi. Hoffe ich jedenfalls, denn alle anderen Gesetzestexte haben für mich keine Gültigkeit.

Also. Warum mache ich das trotzdem? Weil meine liebe Taggerin DarkFairy noch ein Buch von mir bekommt. Seit kurzem. Zwei, drei Monaten. Man kann ja nicht an alles denken… Nun denn, erwarte bitte nicht zu viel, meine Liebe, denn es mag sein, dass meine schlechteste Eigenschaft jene ist, meinen Unwillen offenkundig raushängen zu lassen. Und ich mache das wirklich nur EIN (1) Mal… (okay, außer das funktioniert rein marketingtechnisch total toll, dann interessiert mich mein Geschwätz von gestern natürlich null.)

Edith: Während ich dieses hier zusammenfriemelte, hat mich noch die liebe Sanne getaggt und da Höflichkeit nunmal eine Tugend ist, werde ich ihre Fragen natürlich auch nicht unbeantwortet lassen. Falls jetzt noch jemand auf die Idee kommt… ich hoffe euer Bett ist groß genug für den abgesägten Pferdekopf… und ich nehme wahrlich kein Shetlandpony…

Worum geht’s?

Liebster Award

  1. Schreibe einen Post mit diesem Award, füge das Awardbild ein und verlinke die Person, die dir diesen Award verliehen hat.
  2. Beantworte die 10 Fragen. (Von „wahrheitsgetreu“ steht da glücklicherweise nichts.)
  3. Denke dir weitere 10 Fragen aus. (Wann bist du im Urlaub? Wie ist der Code für deine Alarmanlage? Mehr brauch ich nicht…)
  4. Tagge (also nominiere) 10 Blogger, die unter 200 Leser haben (manche schreiben auch unter 1000 Leser, also ist es wohl jedem überlassen, wen du nominierst.) –> Aber nicht zurück-taggen! (Das lass ich dann aber lieber, bei mir stirbt jeder Kettenbrief… das ist Tradition und mit der Tradition soll man nicht brechen!)
  5. Sage den Bloggern, die du nominiert hast, dass sie einen Award bekommen haben und somit getaggt wurden. (Hm, macht Sinn…)

Die Fragen von DarkFairy: (hier die Musik von „Wer wird Millionär?“ mental einspielen)

1. Warst du schon mal auf einem Festival, wenn ja auf welchem?

Wenn die Frage ist, ob ich schon mal tagelang laut Musik gehört, mich nicht gewaschen, tonnenweise Alkohol und Drogen konsumiert habe und mich erst nach einer Regressionstherapie daran erinnern konnte… vielleicht. Allerdings nicht auf einem Festival, nein. Wahrscheinlich eine Schande, da ich ja nun wirklich nicht unweit von Wacken und Roskilde wohne… aber dafür bin ich echt langsam zu alt.

2. Was ist deine schlechteste Eigenschaft?

Siehe oben.

3. Und deine beste?

Höflichkeit. Wobei das auch manchmal nervt, weil man nur aus Höflichkeit Dinge tut, die man gar nicht tun möchte. (Der musste jetzt sein…)

4. Welches Buch steht genau in der Mitte deines untersten Buchregals?

Hunter S. Thompson „Hells Angels“ und Brett Easton Ellis „Glamorama“. Wobei Mitte auch nicht einwandfrei zu beurteilen ist… welches Regal genau?

5. Was ist dein Handyklingelton?

Ich hab mein Handy immer auf lautlos… ich hasse Handyklingeltöne. Ganz ehrlich, bei Frauen in ihren Marianengrabenhandtaschen kann ich das ja noch verstehen, als Sonargerät, da hilft halt so ein stilles Vibrieren nichts, wenn das von den Tampons und den Taschentüchern gedämpft wird… aber bei Männern, die das Teil in der Jacken- oder Gesäßtasche haben… wenn ihr die Vibration nicht spürt, solltet ihr vielleicht mal zum Neurologen gehen.

6. PC-, Konsolen- oder doch lieber Brettspiele?

Konsolen- und Brettspiele. Ich puzzle auch gerne, bringt meine Gedanken wieder in Einklang. Und das soll schon was heißen. Hält aber auch nicht lange an.

7. Welchen Film hast du zuletzt im Kino gesehen?

Ich bin mehr der Heimkino-Fan… müsste… Transformers 3 gewesen sein. Oder zählt das kleine schummrige Kino am Hafen auch?

8. Ich musste mich jetzt so viel mit Kunst beschäftigen, du jetzt auch: Wer ist dein Lieblingskünstler und warum?

Soetwas habe ich nicht, klassische Kunst ist (noch) nicht meins. Ich mag Fotografie sehr gerne, z.B. Peter Lindbergh. Und alles, was Orang-Utans malen… die haben einfach ein Gespür für Farbkomposition…

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9. Würdest du dich noch mal für deinen Beruf entscheiden bzw. wenn du noch keinen hast, für welchen hast du dich entschieden? Für beide gilt: Warum?

Ich hab mich jetzt nicht unbedingt dafür entschieden, es klang halt besser als Medikamententester… aber wahrscheinlich schon. Weil ich es niemals schaffen werde, ein verdammtes Buch zuende zu schreiben.

10. Was ist die Antwort auf Alles

Nichts. These und Antithese, Materie und Antimaterie, Alles und Nichts.

Die Fragen von Sanne:

1. Hast Du ein Bild/Foto auf Deinem Schreibtisch stehen? Wenn ja, von wem oder was?

Momentan nö. Ich habe nur alle Bücher auf dem Schreibtisch stehen, die ich noch rezensieren muss… da ist also kein Platz mehr. Habe mir aber für die Wand dieses hier auf Leinwand bestellt:

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2. Wer ist Dein Lieblingsautor und wie viele Bücher hast Du von ihm/ihr?

Siehe oben. Allerdings kann ich jetzt nicht sagen, dass ich nur einen Lieblingsautor habe, dafür gibt es ja doch zu viele Genres und Stile. Und vor allem Launen! Wenn ich mich gruseln will, greif ich zu Johan Theorin, wenn ich lachen will zu Max Goldt, wenn ich nachdenklich bin zu Philip Roth… so oder so ähnlich. Meistens versuche ich von den Autoren, die ich mag, alles zu bekommen. Ich bin da Jäger und Sammler.

3. Welches Buch hast Du Dir zuletzt angeschafft (gekauft, geschenkt bekommen, gefunden…)?

Unter anderem „Kleines Mädchen mit komischen Haaren“ von David Foster Wallace.

4. Wohin geht Deine nächste größere Reise?

Hoffentlich nach Kanada, Oder zurück nach Australien. Wenn mich meine Eltern nicht endlich wieder abholen und auf den Sirius mitnehmen… so langsam wird’s echt auffällig… Ach so, mein PIN für die Alarmanlage ist… habt ihr euch so gedacht…

5. Hast Du ein Lieblingsmusical? Welches?

Ähm, nein.Ich bin ein Mann, hallo?

6. Wenn Du durch die Zeit reisen könntest, in welches Jahrhundert/Jahrzehnt/Jahr würdest Du reisen und warum?

Ich würde wahrscheinlich durch die jüngere Vergangenheit reisen und ein paar Menschen umbringen, bevor sie selbst ganz viele Menschen umbringen…

7. Was wünscht Du Dir für die nächsten 5 Jahre Deines Lebens?

Weltfrieden, was denn sonst? Und mein erster eigener Roman wäre ganz toll…

8. Kaufst Du Deine Sachen bei Zalando? *g* Und vor allem, schreist Du, wenn das Paket ankommt?

Ich kaufe da tatsächlich selten was. Aber schreien tue ich nur bei den Preisen…

9. Welche 5 Sachen, finden sich grundsätzlich immer in Deinem Kühlschrank?

Zu viele Gurkengläser, schlaffer Salat, weil ich mal wieder 3 Tage vorher dachte, ich müsste mich gesünder ernähren, eine Tube Senf, weil ich keinen Senf mag und irgendjemand mal Senf gekauft hat, Wasser und alkoholische Survivalreserven, die ich normalerweise nicht anrühren würde, weil sie zu eklig sind.

10. Wie oft am Tag denkst Du über das Wetter nach?

Sollte ich? Kann ich es mit meinen Gedanken beeinflussen? Okay, wem hab ich diese schwüle Luft zu verdanken?

Bernard Minier – „Kindertotenlied“ – Droemer, 2014

Nach vielen Romanen erwachte doch wieder der Blutdurst in mir und französische Thriller sind mir spätestens durch „Die purpurnen Flüsse“ sehr sympathisch. Wie wir natürlich alle wissen, sind Franzosen durch und durch elegant und kultiviert – und genau so töten sie auch. Immer mit dem feinen Gespür für Ästhetik und Höflichkeit. „Verzeihen Sie vielmals die unerwartete Störung, aber darf ich Ihnen vielleicht den Hals durchschneiden?“ – „Oh, ouiiiiii, Monsieur! Aber lassen sie mich erst ein Plane auslegen, damit ich nicht den guten Teppich verunstalte. Das kriegen Sie ja sonst nie wieder heraus!“ So soll es sein!

Wie schaut’s aus? 

Ein paar Holzpfähle ragen aus einem düsteren Gewässer… die Farbgebung und die Schattierungen sind durchaus stimmungsvoll, aber das Bild nur semi-passend zum Inhalt.

Minier - Kindertotenlied

Ich mag’s!

Was steckt drin?

In der Universitätsstadt Marsac in Südfrankreich geschieht ein grausamer Mord an der jungen Lehrerin Claire Diemar. Nachdem ihn seine alte Jugendliebe Marianne zur Hilfe gerufen hat, übernimmt Kommissar Martin Servaz den Fall. Denn am Tatort wurde Mariannes völlig verstörter Sohn Hugo gefunden, gleichzeitig Schüler Claire Diemars, der sich an die letzten Stunden nicht mehr erinnern kann und scheinbar unter Drogen gesetzt wurde.

Doch noch etwas anderes erregt Servaz‘ Aufmerksamkeit: Als die Polizisten am Tatort eintrafen, erklangen aus der Steroanlage des Opfers laut Gustav Mahlers „Kindertotenlied“, das Lieblingsstück des aus der Psychiatrie entflohenen Serienmörders Julian Hirtmann. Während Hugo aufgrund der Beweislage in Untersuchungshaft genommen wird, läuft Servaz die Zeit davon, dessen Unschuld zu beweisen und Hirtmann zu ergreifen, bevor er die nächste Tat begeht. Doch ist es wirklich Hirtmann der ihm hier eine Nachricht zukommen lässt? Oder ist Servaz nur eine Marionette in einem anderen teuflischen Plan…

Ist der Plot durchschaubar?

Kann ich nicht behaupten. Seit langem hat mich mit „Kindertotenlied“ mal wieder ein Buch bis zum Ende rätseln lassen. Denn obwohl ich nach und nach Teile des Plots durchschaut habe, wartete das Finale sogar mit mehr als einer Überraschung auf. Groß! Ar! Tig!

Was bleibt hängen?

Er machte noch einen Schritt und zuckte unwillkürlich zurück. Da war sie – und sie sah ihn aus ihren weit geöffneten blauen Augen an, als hätte sie ihn erwartet. Auch ihr Mund stand offen, sie schien etwas sagen zu wollen. Aber das war natürlich unmöglich, denn dieser Blick war tot. Nichts lebendiges stand mehr in ihm.

Kann das weg?

Nein. Bernard Minier hat einen fesselnder Thriller geschrieben, der die Spannung bis zum Ende aufrecht zu erhalten weiß. Dabei verzichtet er größtenteils auf plakative Gewaltdarstellungen, denn der Reiz von „Kindertotenlied“ liegt mehr in der Offenlegung der versteckten Geheimnisse. Und davon gibt es wahrlich genug! Zudem versteht sich Minier wunderbar darauf, mit dem Leser zu spielen: Hat man sich auf einen Verdächtigen als Täter festgelegt, kommt schon der nächste um die Ecke. Denkt man so langsam, man hätte das Motiv verstanden, macht die nächste Entdeckung die Theorien schon wieder zunichte. So macht Spannung Spaß!

Sprachlich gibt es zudem überhaupt nichts auszusetzen, es liest sich flüssig und wirkt nirgendwo konstruiert oder unüberlegt. Gut, wahrscheinlich hätten es auch 100 Seiten weniger getan, der Anfang schleppt sich etwas, aber spätestens ab Seite 101 geht man dann widerstandslos mit Kommissar Servaz auf Mörderjagd.

Für alle, die gerne chronologisch vorgehen: „Kindertotenlied“ ist zeitlich nach „Schwarzer Schmetterling“ anzusiedeln. Und es lohnt sich definitiv, mit dem ersten Werk anzufangen.

Cui bono?

Fans von Jean-Christophe Grangé, Freunde spannender Thriller, die gerne bis zum Ende mitermitteln.