Leserbriefe – Claus Probst

Ganz ehrlich, ich finde es ja durchaus konstruktiv, wenn mir Autoren ihre Meinung zu meiner Kritik schreiben, auch wenn es eine negative Kritik war. Aber so manch einer kann Kritik wohl nicht wirklich gut vertragen, erst recht nicht, wenn sie etwas kreativer formuliert ist.

Ich möchte gerne mit euch die Antwort des Autors (anscheinend) auf meine Amazon 1-Sterne Rezension von „Nummer Zwei“ teilen, die er nur wenige Stunde nachdem ich sie eingestellt hatte, als Kommentar dazu verfasst hat.

Gibgut8 meint:

Für Hobby-Pychologen:
Gegen (sachliche) kritische Rezensionen habe ich als Autor nichts einzuwenden, aber wenn es dann SO persönlich und gehässig wird, und ich durch die Beschreibung einer attraktiven Frau (… die ich übrigens persönlich kenne!) zum spätpubertären, sabbernden Lüstling werde, wird es mir dann doch zu viel. Nur weil man sich als unbedeutender Blogger „The Bookfather“ nennt, hat man weder die Weisheit mit Löffeln gefressen noch das Recht, blindwütig um sich zu schlagen. Denn psychologisch deuten kann man viel! Aber deswegen liegt man damit noch lange nicht richtig.
Kleine Kostprobe gefällig? Ein kleiner Blogger, der sich durch die Anlehnung an „The Godfather“ öffentlich aufzuwerten versucht und andere geifernd herunterputzt … was muss der wohl kompensieren? Schwierigkeiten mit starken und schönen Frauen vielleicht? Beziehungsfrust? Oder eigene Unzulänglichkeiten? Und wenn er etwas in meine private Situation hineinfantasiert , was da (erfreulicherweise) nicht ist, woher – wenn nicht aus seinem eigenen Gehirn – kommt das wohl her? Denn jeden Gedanken, den man einem anderen unterstellt, denkt man grundsätzlich erst einmal selbst. Geiles Sabbern natürlich eingeschlossen. (Und das ist nur dezent an der Oberfläche gekratzt. Da gibt es mit Sicherheit noch mehr!)
Kann stimmen. Muss aber nicht. Als Rezensent jedenfalls ist der selbsternannte Godfather of Books zwar aggressiv und beleidigend, aber IN DER SACHE absolut nicht ernst zu nehmen. Fazit: Kann weg.

Nun… ich für meine Teil muss bei Kritik, gerade wenn sie etwas harscher ausfällt, ja erst einmal schmunzeln. Denn dafür ist doch Kritik da! Nicht jeder ist derselben Meinung und was wäre unsere Erde für ein langweiliger Ort, wenn es so wäre? Na gut, wenn es meine Meinung wäre, dann natürlich nicht, davon mal ab.

Ich tue dies hier ja nicht, um mich bei Autoren oder Verlagen einzuschleimen, und Herr Probst ist ja auch nicht der Erste, der eine schlechte Kritik zu schmecken bekommt. Allerdings der Erste, der darauf so persönlich ungehalten reagiert hat. Was mich – schon alleine des guten Willens wegen – natürlich zu einer Gegendarstellung veranlasst hat…

 

Für Diplom-Psychologen:

Zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen. Natürlich war es nicht meine Absicht, Sie persönlich anzugreifen oder zu beleidigen und ich finde es schade, dass Sie es so aufgefasst haben. Allerdings war ich mir sicher, dass durch die Stilmittel der Satire – Übertreibung und Ironie – deutlich wird, dass ich lediglich aufzeigen wollte, wie sehr Sie Ihre Hauptfigur überzeichnet haben. Das erkennt man an den Worten „spätspätpubertär“ (das ist mitnichten ein Fehler), „mit wahnwitziger Geschwindigkeit dahinjagende“ und „spritzwassergeschützte Tastatur“. Meiner Meinung nach sollte ein Autor Kritiken, ob nun negativ oder positiv, jedoch grundsätzlich als Anregung verstehen und nicht schmollend beleidigte Kommentare verfassen.

Gerade wenn man ein weltweit bekannter und unheimlich bedeutender Autor ist und Ihr Buch (immer noch Ihr Buch, nicht Sie persönlich…) lediglich von einem kleinen, unbedeutenden Blogger names „The Bookfather“ kritisiert wird. Was denkt der sich überhaupt? Recht auf freie Meinungsäußerung? Grundsätzlich gerne, aber doch nicht bei Ihrem Buch!

(Zwischenfrage: Ihnen ist aber doch bewusst, dass Ihr Buch nur Fiktion ist und Sie Ihre Hauptfigur nicht persönlich kennen? Ich mein ja nur… Wenn es allerdings eine Person gibt, die Sie zu Ihrer Hauptfigur inspiriert hat: Tun Sie uns allen einen Gefallen und gestehen Sie ihr endlich Ihre Liebe.)

Übrigens ist Ihre ad hoc Deutung meines Charakters ein Feuerwerk der angewandten Psychologie. Selbstverständlich versuche ich mich durch meinen Bloggernamen aufzuwerten, was bleibt mir auch anderes übrig? Allerdings ist die Godfather-Wahl nicht ganz so simpel, wie Sie vielleicht annehmen. Da im Amerikanischen „Godfather“ in ungefähr gleichzusetzen ist mit unserem „Patenonkel“, sehe ich mich mehr als Patenonkel für gute Bücher. Die müssen gehegt und beschützt werden, während missratene Bücher halt mal ein paar hinter die Ohren bekommen. N’es-ce pas? (Glauben Sie es oder nicht: Blogger suchen sich zumeist einen Namen aus, der einfach zum Thema passt, so wie eine Kollegin namens „Buchmacherin“ auch nicht mein Verbrechersyndikat mit Einnahmen aus illegalem Glücksspiel versorgt.)

Ein Problem mit starken und schönen Frauen habe ich seitdem ich denken kann. Nun, unsere Deutungen von „schön“ und „stark“ dürften wahrscheinlich sehr weit auseinander gehen, da ich das uns von der Werbung und der Filmindustrie vermittelte Bild einer schönen und starken Frau rigoros als falsch betrachte. Schon mal überlegt, dass Sie durch Ihre Überzeichnung ein völlig absurdes Frauenbild kreieren? Warum darf Lena Böll denn nicht moppelig sein, mit Brille, aber doch einem hübschen Gesicht, nicht der Knaller, aber ganz süß, etwas schüchtern, im Judo-Kurs nicht ganz aufgepasst, dafür aber mit starkem Charakter und der Fähigkeit im Team zu arbeiten und im Team einen Fall zu lösen anstatt die Königin der Profiler zu sein, die ein Team nur als applaudierenden Hofstaat braucht? Nach meiner Kenntnis der Realität ist das nicht ganz abwegig… Und wenn Sie moppelig ist, können ihr die Väter der Opfer doch trotzdem bei der traurigen Nachricht vom Tode ihrer Töchter auf die Brüste starren, das ist doch mal ein Kompromiss.

Da wären wir dann auch beim Punkt „sachliche Kritik“. Sie sind auf keinen meiner Punkte eingegangen, haben nur unsachlich versucht mein unbedeutendes Dasein in Frage zu stellen. Ich meine, quid pro quo, wenn ich mich stundenlang mit Ihrem Buch auseinandersetzen muss, dann sollten Sie dies auch mit meiner Kritik tun müssen. Nun? Kein bisschen der Gedanke, dass die Hauptfigur ins Unkenntliche überzeichnet ist? Selbstreflektion ist der erste Weg zur Besserung…

Abschließend eine Verständnisfrage. Ich möchte Ihnen ja nicht Ihre Fachkenntnisse als Psychiater absprechen, aber meinen Sie wirklich, dass ich jeden Gedanken, den ich jemand anderem unterstelle, erst einmal selber denke? Das hieße ja, wenn ich mir eine NPD-Demo angucke und denke, dass das nur rechte Vollidioten sind, dann bin ich selber einer? Verquere Logik, Herr Probst und psychologisch doch äußerst fragwürdig. Klingt eher nach: „Neee, bin ich gar nicht! Du bist das ja selber, hundert Mal mehr!“ auf dem Kinderspielplatz.

Ich hoffe, dass Sie lernen, besser mit negativer Kritik umzugehen, gerade, weil Sie ja wahrscheinlich noch mehr Bücher schreiben werden. Denn Sie haben ja einen gewissen Erfolg mit „Nummer Zwei“, das ist ja nicht von der Hand zu weisen. Sollte mir noch eins Ihrer Bücher in die Hände fallen (und das wird es, geben Sie sich keiner falschen Hoffnung hin), werde ich selbstverständlich neutral und ohne Ressentiments meine Kritik dazu vortragen. Allerdings auch ohne Gnade, wenn es denn sein muss…

Und jetzt entschuldigen Sie, ich muss mein unbedeutendes Bloggerleben weiterführen, voller Beziehungsprobleme und Angst vor schönen Frauen.

Es grüßt zwinkernd

The Bookfather

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