Wenn ich als Autor unerkannt bleiben will und mir einen anderen Namen für meine Veröffentlichung zulege, kann es ja zumeist nur drei Gründe haben:

1. Ich bin Joanne K. Rowling und habe einen fürchterlichen Krimi geschrieben.

2. Ich habe fürchterliche Angst vor den Personen, deren bislang unbekannte, gesetzeswidrige Aktionen ich in meinem Buch ans Licht bringe.

3. Es verkauft sich einfach fürchterlich viel besser, wenn es geheimnisvoll erscheint.

Nun, da ich innerhalb von 15 Sekunden einfachster Googlesuche schon den Autor Alexander Krützfeldt „enttarnt“ habe, fallen Grund 1 und 2 ja eigentlich schon weg… da mag sich bitte jeder seine eigene Meinung zu bilden. Ich finde sowas ja etwas zu billig.

Wie schaut’s aus?

Das Neongrün stört mich tatsächlich geringfügig. Mit einem anderen Anstrich hätte es sicherlich noch etwas seriöser gewirkt, aber insgesamt unaufgeregt und im Großen und Ganzen okay.

anonymus deep web

Was steckt drin?

Anonymus Krützfeldt wagt sich für eine Auftragsarbeit des Verlages in das Tor-Netzwerk und führt Gespräche mit Gegnern und Verfechtern desselbigen, um die dunkle Seite des Internets zu erforschen. Hier gibt es alles, was das illegale Herz begehrt: Drogen, Waffen, Auftragskiller, Kinderpornos… doch als anonyme Plattform für Dissidenten und politisch Verfolgte stellt Tor auch eine positive und schützenswerte Option dar. Doch wiegen die positiven Effekte auch die Möglichkeiten des illegalen Missbrauchs auf?

Was bleibt hängen?

 Im Geist macht sich mein kleiner Hemingway vor Frust eine billige Flasche Whiskey auf. „Scheiß auf die“, flucht er, „Scheiß auf alle, du brauchst sie nicht.“ Doch, ich brauche sie, denke ich.

Im Geist macht sich mein kleiner Reich-Ranicki dabei eine Flasche Batteriesäure auf… Zumindest leidet Krützfeldt nicht an geringem Selbstbewusstsein, wenn er schon meint, es würde ein kleiner Hemingway in ihm stecken. Der hatte aber wohl zu der Zeit als das Buch geschrieben wurde gerade Urlaub, schätze ich.

Kann das weg?

Ja. Als Einstieg in die Welt des Deep Web ist das Buch ein bisschen informativ, vorausgesetzt, man verfügt grundsätzlich über keinerlei Vorkenntnisse der Materie. Die Gespräche mit den unterschiedlichen Protagonisten der dunklen Seite des Internets sind schon interessant, aber zumeist etwas oberflächlich, weil weder Vollzugsbehörden/Nachrichtendienste noch die Verfechter des freien Internets/Hacker der Gegenseite zu viel verraten wollen. Die Frage ist nur, ob die Paranoia durch das Deep Web neu entstanden ist oder die bestehende Paranoia die Nutzer ins Deep Web geführt hat…

Leider verflacht das Buch sehr schnell. Was am Anfang spannend erscheint, zieht sich wie ein abgekauter Kaugummi und lässt uns dann etwas verwirrt und enttäuscht zurück. Abgesehen von ein paar Screenshots von äußerst billig gestalteten Webseiten hat Krützfeldt über das Deep Web nichts zu bieten, weil seine unglaublich subtilen Versuche, Informationen von den Usern zu erhalten, nicht einmal einem 5jährigen seinen ungeliebten Teller Spinat entlocken würden.

Zudem möchte ich behaupten, dass das Buch ohne die seitenlangen Ausführungen des Autors, wie schwer es ihm gefallen ist dieses Buch zu schreiben und wie miserabel doch seine Kaffeemaschine ist, wahrscheinlich 50 Seiten kürzer wäre. Sinnloses Füllmaterial, braucht kein Mensch. Mag daran liegen, dass der Autor dieses Buch eigentlich gar nicht schreiben wollte…

Cui bono?

Alle, die sich noch gar nicht mit dem Deep Web und dem Tor-Netzwerk beschäftigt haben, sich aber einen ersten – sehr oberflächlichen – Überblick über die Möglichkeiten des anonymen (und zumeist illegalen) Treibens in den Hinterzimmern des Internets verschaffen möchten.

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